

Man würde es heute kaum vermuten. Doch an genau dieser Stelle befand sich einst ein echtes Arbeiterviertel, das an die Amsterdamer Jordaan erinnert. Die Männer arbeiteten im Hafen, die Frauen führten den Haushalt. Es herrschte ein ständiges Kommen und Gehen.
Kattenburg entstand in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts als westlichste der drei östlichen Inseln von Amsterdam. Ursprünglich war es ein sumpfiges Gelände außerhalb der Stadtmauern, das ab 1641 nach und nach erschlossen wurde. Die Stadt brauchte Platz für Werften, Lagerhäuser und Arbeiterwohnungen. Kattenburg wuchs schnell zu einem dicht bebauten Arbeiterviertel heran, das eng mit dem Hafenleben verbunden war.
Im Zentrum der Insel befand sich ’s Lands Zeemagazijn, ein riesiges Lagerhaus der Admiralität, das später zum Schifffahrtsmuseum wurde. Rundherum arbeiteten Schiffszimmerleute, Matrosen und Lagerarbeiter. Viele Bewohner wurden „Beilträger“ genannt – ein Verweis auf ihre Tätigkeit im Schiffbau. Die Gemeinschaft war eng verbunden, mit einer eigenen, starken Kultur: orangetreue Gesinnung, ein gewisser Eigensinn und viel Zusammenhalt.
Im Jahr 1787, während politischer Spannungen in der Stadt, leistete Kattenburg Widerstand. Die „Beilträger“ zogen die Brücke hoch und stellten sich entschieden gegen die Patrioten. Der Aufstand hielt sich lange, wurde aber schließlich mit Gewalt niedergeschlagen.
Ein dramatischer Moment in der späteren Geschichte war die „Blutnacht von Kattenburg“ in der Nacht vom 5. auf den 6. Juli 1911. Während eines internationalen Matrosenstreiks kam es zu heftigen Ausschreitungen. Die Polizei eröffnete das Feuer auf die Streikenden – mit Todesopfern und Verletzten. Diese erschütternde Geschichte ist auch in der Roods-App zu hören, die die Ereignisse jener Nacht lebendig macht.
In den 1960er Jahren wurde das alte Viertel fast vollständig abgerissen. Die kleinen Häuser und engen Gassen mussten Neubauten weichen. Nur das Straßenmuster erinnert noch vage an das ursprüngliche Kattenburg.
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