
Kaiser Wilhelm I., der erste deutsche Kaiser, regierte von 1871 bis 1888 und machte Deutschland zu einer europäischen Großmacht. Doch seine Stellung brachte ihn auch in Gefahr: Mehrfach wurde er Ziel von Attentaten. Am 11. Mai 1878 kam es in Berlin zu einem dramatischen Anschlag. Der 81-jährige Kaiser fuhr mit seiner Tochter in einer Kutsche, als Max Hödel, ein Mitglied der Sozialdemokratischen Partei, mehrere Schüsse abgab. Wilhelm blieb wie durch ein Wunder unverletzt.
Nur wenige Wochen später, am 2. Juni 1878, folgte ein weiterer Anschlag. Karl Nobiling schoss aus einem Fenster Unter den Linden 18 auf den Kaiser, der in einer offenen Kutsche fuhr. Wilhelm wurde schwer verletzt, überlebte aber. Nobiling versuchte, sich das Leben zu nehmen, starb jedoch drei Monate später. Auch 1883 kam es zu einem Attentat: August Reinsdorf wollte den Kaiser mit Dynamit töten, doch der Zünder versagte. Reinsdorf und seine Mitstreiter wurden zum Tode verurteilt.
Die Anschläge hatten erhebliche politische Folgen. Reichskanzler Otto von Bismarck nutzte die Ereignisse, um strengere Gesetze gegen sozialistische und anarchistische Bewegungen durchzusetzen. Die 1878 eingeführten Sozialistengesetze verboten ihre Organisationen, Versammlungen und Publikationen. Damit begann eine Phase politischer Repression, die zugleich die Macht des deutschen Staates stärkte.
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