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Der Fernsehturm

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Oben steht der Fernsehturm — Berlins Fernsehturm am Alexanderplatz. Von hier aus sieht man, wie er die Stadt überragt, fast so, als würde er über sie wachen.

Als die DDR in den 1960er-Jahren beschloss, ihn zu bauen, ging es nicht nur um Fernsehsignale. Man wollte ein Wahrzeichen schaffen, das weltweit auffallen würde — ein Beweis, dass der sozialistische Staat genauso modern und ehrgeizig sein konnte wie der Westen. Der Bau begann 1965, und als er 1969 eröffnet wurde, war ein ganzes historisches Viertel, das Marienviertel, verschwunden, um Platz zu machen.

Die Höhe war kein Zufall. Mit 365 Metern entsprach sie der Anzahl der Tage im Jahr — ein Detail, auf das die Planer stolz waren. Später kam eine neue Antenne hinzu, die ihn auf 368 Meter wachsen ließ. Damit war er das höchste Bauwerk Deutschlands und damals einer der höchsten Fernsehtürme der Welt.

Die Kugel macht das Bauwerk unverwechselbar. Inspiriert vom sowjetischen Sputnik-Satelliten wurde sie in Teilen am Boden vorgefertigt und dann Stück für Stück hoch oben in der Luft montiert. Eine solche Montage in den späten 1960er-Jahren war eine technische Herausforderung, besonders mit den Mitteln der DDR.

Eine seiner Eigenheiten wurde zur Berliner Legende. An sonnigen Tagen reflektieren die Metallplatten der Kugel das Licht in Form eines riesigen Kreuzes. In einem Land, das offiziell den Atheismus förderte, war das heikel. Berliner gaben ihm Spitznamen wie „Rache des Papstes“ und „Sankt Walter“ in Anspielung auf Staatschef Walter Ulbricht. Die Regierung versuchte, den Effekt zu beseitigen, scheiterte jedoch — das Kreuz blieb.

Nach der Wiedervereinigung verlor der Fernsehturm seine politische Bedeutung und wurde zum Symbol für die ganze Stadt. Heute besuchen ihn jedes Jahr mehr als eine Million Menschen — nicht wegen Propaganda, sondern wegen des Ausblicks. Ein Zeichen dafür, dass selbst Symbole der Teilung neue Bedeutungen annehmen können.

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