
An der Südflanke des Potsdamer Pfingstbergs liegt der Pomonatempel, ein charmantes Bauwerk und ein bedeutendes Stück Geschichte. Es war das erste architektonische Werk von Karl Friedrich Schinkel, der später zu einer Schlüsselfigur des Klassizismus wurde. Errichtet wurde der Tempel 1801 im Auftrag des preußischen Geheimrats Carl Ludwig von Oesfeld als Geschenk für seine Frau, gewidmet der römischen Fruchtgöttin Pomona. Der ursprüngliche Tempel auf Oesfelds Weinberg wurde abgerissen, woraufhin Schinkel einen neuen Entwurf im Stil eines griechischen Tempels anfertigte, inspiriert vom Erechtheion auf der Athener Akropolis.
Das blau-weiß gestreifte Zeltdach kam später hinzu, um den Stil anderer Residenzen wie Charlottenhof aufzugreifen. 1847 drohte der Abriss durch die ambitionierten Pläne König Friedrich Wilhelms IV. für das Belvedere. Sein Tod verhinderte dies, und Peter Joseph Lenné band den Tempel stattdessen in die Schlossgärten ein, ergänzt durch eine halbkreisförmige Arkade, die ihn mit dem Belvedere verband. Für die Olympischen Spiele 1936 wurde der Tempel restauriert. Nach dem Zweiten Weltkrieg verfiel er jedoch, da er in der Nähe von Sowjetlager Nr. 7 und der innerdeutschen Grenze unzugänglich war.
In den 1980er Jahren wurde er wiederentdeckt und nach der Wiedervereinigung durch den Förderverein Pfingstberg Potsdam e.V. mit Unterstützung der Hermann Reemtsma Stiftung zwischen 1992 und 1993 vollständig restauriert. Heute ist der Pomonatempel nicht nur ein architektonisches Kleinod, sondern auch ein kultureller Treffpunkt. Von Ostern bis Oktober finden dort Ausstellungen und Erzählveranstaltungen statt, zudem dient er als Veranstaltungsort für private Feiern. So bleibt Schinkels erstes Meisterwerk ein lebendiger Teil des Pfingstbergs.
Hast du Feedback zu dieser Geschichte?