
Im achtzehnten Jahrhundert wurde Berlin zu einer sogenannten Garnisonsstadt—einem Ort, an dem ein großer Teil der Bevölkerung aus Soldaten bestand und in dem Straßen und Plätze nach militärischen Bedürfnissen gestaltet waren. Das bedeutete nicht, dass die Stadt nur für den Krieg existierte. Eine Garnisonsstadt verband das zivile Leben mit einer ständigen militärischen Präsenz, bei der Exerzierplätze, Kasernen und Arsenale zum Stadtbild gehörten.
Zu Beginn des achtzehnten Jahrhunderts hatte Berlin etwa 55.000 Einwohner, von denen fast 5.000 Soldaten waren. Unter König Friedrich Wilhelm I., der von 1713 bis 1740 regierte, wurde Berlin in eine Hochburg militärischer Ordnung verwandelt. Er investierte stark in die Armee, unterstützte Waffenhersteller und brachte Ingenieure und Handwerker in die Stadt. Die militärische Funktion der Stadt förderte neben der Disziplin auch Handwerk, Handel und Industrie, was später das Wachstum Berlins begünstigte.
Die mittelalterlichen Befestigungen wurden zwischen 1734 und 1737 durch die Berliner Akzisemauer ersetzt. Diese diente nicht der Verteidigung, sondern der Kontrolle von Waren und der Erhebung von Steuern. Vierzehn Stadttore führten hinein und hinaus, und nahegelegene Plätze dienten oft als Exerzierfelder, auf denen Soldaten für alle sichtbar trainierten.
Eines der symbolträchtigsten Gebäude war das Zeughaus, das große Arsenal an Unter den Linden. Es wurde zwischen 1695 und 1730 erbaut und diente als Lager für Waffen und als Ausstellungsraum für Kriegstrophäen. Sein imposantes Bauwerk erinnerte die Bürger täglich an die militärische Stärke, die ihre Stadt prägte.
Als Friedrich II., später Friedrich der Große genannt, 1740 an die Macht kam, verstärkte sich die militärische Rolle Berlins noch. Um 1755 war etwa jeder vierte Einwohner der Stadt ein Soldat. Das tägliche Leben, von Märkten bis zu Werkstätten, fand neben marschierenden Truppen und dem Rhythmus militärischer Disziplin statt.
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