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Geisterbahnhof Oranienburger Straße

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Unter deinen Füßen befindet sich ein S-Bahn-Bahnhof, der zwischen 1961 und 1990 nicht existierte. Er war auf keinem Ostberliner Stadtplan verzeichnet, hatte keinen Eingang auf Straßenebene, und die Ostberliner, die täglich darüber hinweggingen, wussten nichts von ihm. Es war ein Geisterbahnhof. In der App gibt es ein paar Fotos, die zeigen, wie diese Bahnhöfe damals aussahen, mit den leeren Bahnsteigen und den Wachleuten, die in ihren Häuschen warteten.

 

Als 1961 die Mauer errichtet wurde, stand die DDR vor einem komplizierten Problem. Drei West-Berliner U-Bahn- und S-Bahn-Linien verliefen durch Tunnel unter Ost-Berlin, mit Bahnhöfen entlang der Strecke. Die Züge kamen aus West-Berlin, tauchten unter der Grenze ab und tauchten an anderer Stelle in West-Berlin wieder auf. Die DDR konnte sie nicht aufhalten, denn das hätte eine diplomatische Krise ausgelöst. Aber sie konnte sie auch nicht auf ostdeutschem Gebiet halten lassen, denn dann hätte jeder einfach einsteigen und das Land verlassen können.

 

Die Lösung bestand darin, die Bahnhöfe praktisch verschwinden zu lassen. Treppenhäuser wurden zugemauert, Eingänge aus dem Straßenbild entfernt und die Namen von den Karten getilgt. Die Züge rollten weiterhin durch, aber langsam und ohne anzuhalten. Westberliner Fahrgäste blickten aus ihren Fenstern auf verlassene, schummrig beleuchtete Bahnsteige, wo bewaffnete DDR-Grenzsoldaten aus versiegelten Kabinen zurückstarrten. Westler begannen, sie „Geisterbahnhöfe“ zu nennen.

 

Die Sicherheitsvorkehrungen waren streng. Stacheldraht unter den Bahnsteigen. Alarmanlagen, die bei der geringsten Berührung auslösten. Die Wachen arbeiteten immer zu zweit, wobei die Namen so ausgewählt wurden, dass die beiden sich nicht kannten. Selbst dort durfte kein Vertrauen aufkommen.

 

Der Bahnhof, über dem Sie gerade stehen, wurde 1990 wiedereröffnet, und der erste Fahrgast, der zur Hauptverkehrszeit einstieg, war wahrscheinlich überrascht, überhaupt jemanden auf dem Bahnsteig vorzufinden.

 

Wir gehen jetzt ein paar hundert Meter weiter zu einem Gebäude, das Zehntausende Ostberliner ihr Zuhause nannten.

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