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Mittelalterliche Stadtmauer

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"Wir stehen jetzt an einem stillen Abschnitt zwischen der Littenstraße und der Waisenstraße in Berlin, wo ein rauer, verwitterter Mauerrest fast unbemerkt bleibt. Es ist eines der letzten sichtbaren Stücke der mittelalterlichen Stadtmauer Berlins, errichtet, als die Stadt noch aus zwei kleinen Siedlungen bestand — Berlin am Ostufer der Spree und Cölln am Westufer.

 

Der Bau begann um 1250, als die Mauer kaum zwei Meter hoch war und hauptsächlich aus Feldsteinen bestand, die aus der Umgebung gesammelt wurden. Damals ging es weniger darum, Belagerungen entfernter Heere standzuhalten, sondern mehr darum, Räuber fernzuhalten, den Handel zu kontrollieren und die Stadtgrenze zu markieren. Erst später, im 14. Jahrhundert, wurde sie aus Backstein neu errichtet und auf etwa fünf Meter erhöht, mit Wachtürmen und schmalen Schießscharten.

 

Wenige wissen, dass diese Mauer einst Teil eines doppelten Verteidigungssystems war. Zwei breite Gräben, jeweils etwa fünfzehn Meter breit, flankierten einen fast zehn Meter dicken Erdwall. Zusammen machten sie Berlin schwerer zu erobern — obwohl die eigentliche Schwäche darin lag, dass viele Häuser direkt an der Innenseite der Mauer gebaut waren, was die Verteidigung erschwerte.

 

Gegen Ende des Mittelalters war Berlins Wachstum den Verteidigungsanlagen entwachsen. Große Teile wurden abgetragen und die Ziegel für Häuser und Kirchen wiederverwendet. Ein kleines Stück wurde sogar zur Rückwand des Zur letzten Instanz, des ältesten Restaurants der Stadt, das hier seit 1621 Mahlzeiten serviert.

 

Dass dieses Stück erhalten blieb, verdanken wir der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. 1948, beim Räumen von Trümmern, entdeckten Arbeiter ein etwa 150 Meter langes Fragment, das fast vollständig von späteren Gebäuden verdeckt war. Kurz darauf wurde es unter Denkmalschutz gestellt."

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