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Molkenmarkt

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Du befindest dich jetzt im Herzen des ältesten Platzes Berlins: dem Molkenmarkt. Heute wirkt er vielleicht wie ein normaler Verkehrsknotenpunkt, doch unter deinen Füßen liegt der früheste Treffpunkt der Stadt — und eine der spannendsten archäologischen Fundstellen. Dieser Platz war bereits ein Handelszentrum, bevor Berlin im Jahr 1244 erstmals erwähnt wurde. Händler trafen sich hier, um Waren, Neuigkeiten und Lebensmittel auszutauschen, darunter Molke — ein Nebenprodukt der Käseherstellung —, das dem Platz seinen Namen gab. Menschen kamen aus umliegenden Dörfern über frühe Handelsrouten, die sich genau hier kreuzten.

 

Neuere Ausgrabungen zeigen, wie tief diese Geschichte reicht. Archäologen haben mehr als 600.000 Fundstücke entdeckt — von alltäglichen Keramikscherben bis zu abgetragenen Lederschuhen und sogar einen goldenen Ring aus etwa dem Jahr 1400. Eine der außergewöhnlichsten Entdeckungen war ein Abschnitt von Berlins erster Straße: Planken aus Eiche, Birke und Kiefer, mehr als 2 Meter unter der Erde, fast perfekt erhalten.

 

Vielleicht am überraschendsten war der Fund von 188 kleinen Keramikfiguren. Es handelte sich nicht um Spielzeug, sondern um religiöse Objekte, die jeweils ein Knochenfragment eines Heiligen enthielten. Im Mittelalter wurden solche Reliquien als Schutz und Ausdruck der Frömmigkeit geschätzt. Darunter befanden sich eine detailreiche Madonna mit Kind und eine Figur der heiligen Katharina, beide bemerkenswert gut erhalten.

 

Im Laufe der Jahrhunderte veränderte sich die Rolle des Molkenmarkts. Ende des 17. Jahrhunderts übernahmen größere Märkte den täglichen Handel, doch der Name blieb. Heute wird der Platz von Gebäuden wie dem Alten Stadthaus eingerahmt, das zwischen 1902 und 1911 errichtet wurde. Wer genau hinsieht, erkennt am Dachrand 29 Steinskulpturen, darunter einen Bären — das Berliner Wappentier —, geschaffen von Georg Wrba."""
 

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