
Über dir, hoch oben auf dem Brandenburger Tor, steht ein von vier Pferden gezogener Wagen, die Quadriga. Von hier aus blickt sie seit über zwei Jahrhunderten auf Berlin herab und trägt eine Geschichte, die weit über ihre elegante Form hinausgeht.
Die Skulptur wurde 1793 von Johann Gottfried Schadow geschaffen und installiert. Sie stellte Pax dar, die römische Friedensgöttin, die ihre Pferde in die Stadt lenkt. Damals war das Tor kein Symbol der Teilung oder des Triumphs, sondern ein Zeichen des Friedens und eines neuen Zeitalters für Berlin.
Diese Bedeutung änderte sich 1806 grundlegend. Nach der Niederlage Preußens befahl Napoleon, die Quadriga als Kriegsbeute nach Paris zu bringen. Dort blieb sie acht Jahre lang, bis sie 1814 nach Napoleons Sturz von preußischen Truppen zurückgebracht wurde. Bei ihrer Rückkehr wurde Pax in Nike, die Siegesgöttin, verwandelt, indem Symbole wie ein Eichenkranz, ein Eisernes Kreuz und der preußische Adler hinzugefügt wurden. Aus der Friedensbotin war ein Zeichen nationalen Stolzes geworden.
Während des Zweiten Weltkriegs erlebte die Quadriga einen weiteren Wendepunkt. 1942 wurden schützende Gipsabgüsse angefertigt, doch das ursprüngliche Bronzestandbild wurde bei Bombenangriffen schwer beschädigt. 1950 wurden die Reste abgebaut, nur der Kopf eines Pferdes blieb erhalten. Heute ist dieser im Märkischen Museum in Berlin zu sehen.
1958 entstand eine neue Quadriga, basierend auf den Modellen aus den Kriegsjahren. Während des Kalten Krieges stand sie ohne militärische Symbole und verkörperte ein stilleres Bild des Friedens. Nach der deutschen Wiedervereinigung wurden Anfang der 1990er Jahre das Eiserne Kreuz und der preußische Adler wieder angebracht, womit ihre vielschichtige Bedeutung aus dem 19. Jahrhundert zurückkehrte.
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