
Hier in Spandau stehen Sie in einem Stadtteil, der älter ist als Berlin selbst. Spandau war einst eine eigenständige Stadt und wurde im Jahr 1920 in Groß-Berlin eingegliedert doch seine militärische und industrielle Geschichte ist bis heute spürbar.
Weltweit bekannt wurde Spandau nach dem Zweiten Weltkrieg nicht wegen seiner Altstadt oder der Zitadelle, sondern wegen des Gefängnisses Spandau. Es wurde 1876 in der Wilhelmstraße errichtet und diente später als eines der am strengsten bewachten Gebäude im Nachkriegseuropa.
Nach den Nürnberger Prozessen wurden sieben führende Nationalsozialisten hier inhaftiert. Darunter war auch Rudolf Heß, Hitlers Stellvertreter, der ab 1966 bis zu seinem Tod 1987 der einzige Gefangene war. Aufgrund seiner Anwesenheit wurde das Gefängnis täglich von Militärwachen der vier Alliierten—Großbritannien, Frankreich, der Sowjetunion und den USA überwacht, die sich monatlich abwechselten.
Für nur einen Gefangenen war der Sicherheitsaufwand enorm. Über 600 Wachleute waren im Einsatz, es galten strenge Vorschriften und häufige Kontrollen. Die Haftzeit von Heß wurde zum Symbol der Nachkriegsordnung und des Kalten Krieges.
Nach seinem Tod im Alter von 93 Jahren beschlossen die Alliierten, das Gefängnis abzureißen, um eine Wallfahrtsstätte für Neonazis zu verhindern. Bereits 1987 war das Gebäude vollständig abgetragen. Heute befindet sich dort ein Einkaufszentrum ohne jeglichen Hinweis auf die Vergangenheit.
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