
Unter den Linden, der Stolz des kaiserlichen Berlin, spiegelt sowohl die Pracht als auch die Turbulenzen der Stadtgeschichte wider. 1927 widmete der Baedeker-Reiseführer dieser berühmten Allee fast 50 Seiten – ein Beleg für ihre Bedeutung. Am Ende des Zweiten Weltkriegs lag Unter den Linden jedoch in Trümmern, Opfer der sogenannten „Baedeker-Bombardements“, die kulturelle Wahrzeichen ins Visier nahmen.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts stand die Straße für kaiserliche Eleganz. Das Brandenburger Tor mit der Quadriga markierte stolz den Eingang und symbolisierte den preußischen Sieg über Frankreich. Am nahen Pariser Platz, benannt nach dem Triumph von 1814, standen bedeutende Gebäude wie das Arnimsche Palais und die französische Botschaft. Viele Bauten wurden im Krieg zerstört, doch Institutionen wie die Akademie der Künste kehrten in moderner Form zurück. Ein weiteres Juwel war das Hotel Adlon, 1907 von Franz Adlon eröffnet.
Es überstand die Bombardierungen, brannte jedoch 1945 nieder, nachdem betrunkene russische Soldaten auf der Suche nach Wein den Brand verursacht hatten. 1995 wurde es wiederaufgebaut und gilt seither als Symbol für die Widerstandskraft Berlins. Unter den Linden war nicht nur eine Prachtstraße, sondern auch ein Zentrum der Moderne. Unternehmen wie die Internationale Eisenbahn-Schlafwagen-Gesellschaft, bekannt durch den Orient-Express, und Mercedes-Benz hatten hier Niederlassungen. Auch die Niederlande hinterließen Spuren: Das Niederländische Palais wurde 1804 vom späteren König Wilhelm I. erworben, dessen Familie dort bis zu seinem Tod lebte.
Reste des Palastes sind heute Teil des Gouverneurshauses an Nummer 11. Die Neue Wache, ursprünglich ein Wachhaus, wurde zu einer Gedenkstätte. Nach 1918 ehrte sie gefallene Soldaten, in der DDR die Opfer von Faschismus und Militarismus. Seit 1991 ist sie die zentrale deutsche Gedenkstätte für alle Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft mit Käthe Kollwitz’ ergreifender Skulptur „Mutter mit totem Sohn“. Restaurierungen in der DDR und nach der Wiedervereinigung ließen die Straße erneut erblühen, mit rekonstruierten Prachtbauten, moderner Architektur und neu gepflanzten Linden. So ist Unter den Linden heute ein einzigartiger Mix aus Vergangenheit und Gegenwart, ein lebendiges Symbol der Berliner Geschichte.
Hast du Feedback zu dieser Geschichte?