
Bleiben Sie einen Moment stehen und hören Sie zu — das Rauschen, das Sie hören, stammt nicht aus einem fernen Gebirgsbach. Es ist das Herz des Viktoriaparks, ein künstlicher Wasserfall, der in den 1890er-Jahren hier mitten in Berlin angelegt wurde. Angetrieben von Pumpen stürzen etwa 13.000 Liter Wasser pro Minute über eine 24-Meter-Strecke hinab, gestaltet nach dem Vorbild der Schluchten des Riesengebirges an der polnisch-tschechischen Grenze.
Der Hügel unter Ihren Füßen, der Kreuzberg, ist nur 66 Meter hoch, hat aber die Geschichte Berlins geprägt. Lange bevor er ein Park wurde, waren seine Hänge mit Weinreben bepflanzt, was ihm den alten Namen „Runder Weinberg“ einbrachte. Diese Weinbautradition wurde 1968 wiederbelebt, und auch heute wird noch eine kleine Menge des lokalen Weins Kreuz-Neroberger hergestellt. Er ist nicht im Handel erhältlich; die Flaschen werden als Geschenk an offizielle Gäste des Bezirks vergeben.
Auf dem Gipfel steht ein markantes neugotisches Eisenmonument, entworfen von Karl Friedrich Schinkel und 1821 enthüllt. Es erinnert an die preußischen Siege über Napoleon im frühen 19. Jahrhundert, und das Eiserne Kreuz auf seiner Spitze gab sowohl dem Hügel als auch dem umliegenden Bezirk den Namen — Kreuzberg.
Der Wasserfall und die umgebende Landschaft waren die Vision von Hermann Mächtig, dem Berliner Gartendirektor des späten 19. Jahrhunderts. 1894 verwandelte sein Entwurf die einst kahle Spitze in eine dramatische Grünanlage. Zwei Jahre später wurde am Teich darunter die Bronzeskulptur Seltene Beute des Bildhauers Ernst Herter aufgestellt — ein Fischer, der eine Meerjungfrau fängt.
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