Im Januar 1871 war Berlin Teil eines Wendepunkts in der deutschen Geschichte, der die vielen Staaten unter einer Krone vereinte.
Am 18. Januar 1871 wurde König Wilhelm I. von Preußen im Spiegelsaal des Schlosses von Versailles zum Deutschen Kaiser proklamiert. Das Datum wurde bewusst gewählt, um an die Krönung des ersten preußischen Königs im Jahr 1701 anzuknüpfen – ein Symbol sowohl für Tradition als auch für einen Neuanfang.
Der Weg zur Einheit war weder schnell noch einfach. Er folgte auf Jahre von Kriegen und politischen Abkommen, die von der sorgfältigen Strategie Otto von Bismarcks geprägt waren. Die Novemberverträge von 1870 brachten Bayern, Baden, Hessen und Württemberg ins Reich, wobei sie bestimmte Rechte wie eigene Armeen und Steuersysteme behalten durften.
Wilhelm I. selbst war nicht begeistert, den Titel anzunehmen. Er befürchtete, dass dieser seine Rolle als König von Preußen überschatten würde. Er bevorzugte sogar den Titel „Kaiser von Deutschland“, doch Bismarck riet davon ab, um andere deutsche Herrscher nicht zu verärgern.
Die Krönungszeremonie war bescheidener, als viele erwarten würden. Versailles, wegen seiner politischen Symbolik ausgewählt, war kurz zuvor noch als Militärhospital genutzt worden. Ein Feldaltar ersetzte den Thron, und die Zeremonie bestand aus Ansprachen und Gebeten statt prunkvoller Darstellungen.
Ein kleines, aber bemerkenswertes Detail ist, dass keine physische Kaiserkrone angefertigt wurde. Ein Modell, inspiriert von der Krone des Heiligen Römischen Reiches, wurde im Hohenzollernmuseum in Berlin aufbewahrt, verschwand jedoch im Zweiten Weltkrieg. Stattdessen wurde das Kronendesign bis 1918 nur in Wappen und kaiserlichen Symbolen verwendet.
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