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Die Lennon-Mauer

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Die Farbenpracht, die diese Wand bedeckt, begann mit einem einzigen Gesicht. Im Jahr 1980 malte jemand hier, direkt neben der französischen Botschaft, auf einer zuvor völlig unscheinbaren Putzfläche das Porträt von John Lennon. Diese eine Akt der Auflehnung brach etwas auf.

 

Unter kommunistischer Herrschaft war westliche Musik verboten. Beatles-Platten wurden wie Schmuggelware über die Grenzen gebracht, und wer beim Hören erwischt wurde, riskierte eine Verhaftung. Als Lennon am 8. Dezember 1980 erschossen wurde, hatten die tschechischen Jugendlichen keinen offiziellen Ort, um zu trauern. Also kamen sie stattdessen hierher. Sie malten Songtexte, Botschaften über Frieden und Freiheit und Porträts, die wie Gebete wirkten.

 

Jeden Morgen tauchte die Geheimpolizei auf und übermalte die Wand. Bei Einbruch der Dunkelheit war sie wieder bedeckt. Das ging jahrelang so weiter. Die Regierung brandmarkte die jungen Menschen, die hier malten, als geistig gestörte Alkoholiker und Agenten des westlichen Kapitalismus. 1988 kam es auf der nahegelegenen Karlsbrücke zu Zusammenstößen zwischen Hunderten von Studenten und der Bereitschaftspolizei um das Recht, diese Wand weiter bemalen zu dürfen. Die Polizei hat diesen Streit eigentlich nie gewonnen.

 

Die Mauer gehört immer noch den Malteserrittern, deren Kloster ruhig dahinter liegt. Nach dem Fall des Kommunismus 1989 verschwand das ursprüngliche Porträt unter Schichten neuer Farbe. Die Menschen kamen trotzdem weiter. Anscheinend reichte der Sturz eines totalitären Regimes nicht ganz aus, um irgendjemanden davon abzuhalten, noch eine Schicht Farbe aufzutragen.

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