
Die Moldau sieht im Moment recht friedlich aus, doch im August 2002 verwandelte sich dieser Fluss in etwas kaum Wiedererkennbares. Starke Regenfälle am 7. und 8. August setzten das Land unter Wasser, und noch bevor sich der Boden erholen konnte, traf am 12. und 13. August eine weitere Regenwelle ein. Die Moldau und die Berounka traten gleichzeitig über die Ufer, und dem Wasser blieb nichts anderes übrig, als in die Stadt zu strömen.
Am 13. August standen ganze Stadtteile unter Wasser. Karlín war bis zum zweiten Stock überflutet. Rund 50.000 Menschen mussten evakuiert werden, viele von ihnen hatten sich am Tag zuvor geweigert zu gehen, da sie überzeugt waren, dass das Wasser ihre Straßen noch nie zuvor erreicht hatte. Nun war es soweit. Unter der Stadt füllten sich 19 U-Bahn-Stationen vollständig und schluckten 1,2 Millionen Kubikmeter Wasser in die Tunnel und Bahnsteige.
Die mobilen Hochwasserschutzwände, die die Altstadt schützten, hielten stand, aber nur knapp. Das Wasser kroch bis auf 5 Zentimeter an die Oberkante heran. Fünf Zentimeter trennten die Stadt, wie wir sie kennen, von etwas weitaus Schlimmerem.
In den Archiven trafen die Bibliothekare eine ungewöhnliche Entscheidung: Sie packten Tausende von durchnässten historischen Büchern in Lastwagen und schickten sie in Gefrierkammern. Das Einfrieren stoppte den Schimmelbefall und rettete die meisten von ihnen. Es funktionierte. Siebzehn Menschen starben, und der Schaden belief sich auf 73 Milliarden Kronen.
Wenn man zur Insel Kampa geht, findet man noch immer die Hochwassermarken an den Mauern, die genau zeigen, wie hoch das Wasser gestiegen war. Die Bücher haben überlebt. Die Stadt hat überlebt. Die U-Bahn brauchte deutlich länger, um sich zu erholen.
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