
Im Jahr 1231 stand eine junge böhmische Prinzessin namens Agnes vor einem Problem. Sie war mit Friedrich II., dem Kaiser des Heiligen Römischen Reiches und wohl mächtigsten Herrscher der christlichen Welt, verlobt. Sie lehnte ab. Friedrichs Reaktion war, statt Wut, fast schon gnädig: „Hätte sie mich für einen sterblichen Mann verlassen, hätte ich mit dem Schwert Rache genommen, doch ich kann ihr das nicht übel nehmen, denn sie hat den König des Himmels mir vorgezogen.“ Mit der Unterstützung ihres Bruders, König Wenzel I., baute Agnes stattdessen dieses Kloster und wurde dessen Äbtissin; sie verbrachte ihre Tage damit, für Leprakranke zu kochen und Kleidung für die Armen zu flicken.
Der Komplex, in dem Sie sich befinden, war das erste gotische Bauwerk nördlich der Alpen in Mitteleuropa. Das ist keine geringe Leistung. König Wenzel I. selbst ist in der St.-Franziskus-Kirche direkt dahinter begraben. Agnes starb hier im Jahr 1282, und niemand weiß, wo sich ihr Grab befindet.
Die Geschichte nahm eine düstere Wendung, als Kaiser Joseph II. das Kloster 1782 auflöste. Das königliche Mausoleum wurde zu einer Chicorée-Fabrik, und der Rest verfiel zu Slumwohnungen und Werkstätten.
Agnes wurde am 12. November 1989 heiliggesprochen, nur wenige Wochen bevor die Samtene Revolution den Kommunismus aus der Tschechoslowakei fegte. Anscheinend haben sogar Heilige ein Gespür für den richtigen Zeitpunkt.
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