
Vor Ihren Augen liegt die letzte große Brauerei, die noch in der Stadt steht: ein weitläufiger Backsteinkomplex am Ottakringer Platz im 16. Bezirk. Ottakringer wurde 1837 eröffnet, als dieses Gebiet noch Ackerland außerhalb der Stadtmauern war. Ein Müller namens Heinrich Plank errichtete die Brauerei, ging jedoch innerhalb von 13 Jahren bankrott und verkaufte sie an zwei jüdische Cousins aus Mähren.
Ignaz und Jakob Kuffner verwandelten sie in etwas, das über das Biergeschäft hinausging. Bis 1890 erreichte die Produktion 170.000 Hektoliter. Was sie jedoch besonders machte, war ihr Umgang mit den Arbeitern. Die Kuffners bauten Werkswohnungen. Sie eröffneten eine Werksküche, in der erschwingliche Mahlzeiten verkauft wurden, während die meisten Arbeiter hungern mussten. Sie schufen den ersten Tarifvertrag, der jemals in einer Brauerei geschlossen wurde.
Kaiser Franz Joseph wurde darauf aufmerksam. Im Jahr 1878 verlieh er Ignaz für seine sozialen Verdienste um den Bezirk einen erblichen Titel.
Unter Moritz, dem Sohn von Ignaz, stieg die Produktion weiter an und erreichte bis zum Ersten Weltkrieg über 350.000 Hektoliter. Dann kam das Jahr 1938. Das Nazi-Regime zwang die Familie, die Brauerei für 14 Millionen Schilling – weit unter ihrem Wert – zu verkaufen, bevor sie in die Schweiz floh. Die Brauerei überlebte, und die Einheimischen nennen sie noch immer „die 16er“, nach dem 16. Bezirk.
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