
Das überdimensionale Beton-X auf dem Ballhausplatz ist Österreichs Denkmal für Deserteure. Es ehrt Männer, die sich weigerten, für Hitler zu kämpfen, und dafür mit ihrem Leben bezahlten.
Über 30.000 Todesurteile. So viele haben die Nazi-Militärgerichte während des Zweiten Weltkriegs verhängt. Die meisten betrafen Deserteure und sogenannte Untergräber der Truppenmoral. Tausende weitere starben in Strafkompanien an der Front.
Diejenigen, die überlebten, kehrten in eine Welt der Diskriminierung zurück. Richard Wadani desertierte 1944 in der Nähe von Aachen und schloss sich den britischen Streitkräften an. Als er 1946 in seiner britischen Armeeuniform zum Arbeitsamt zurückkehrte, wiesen sie ihn ab. Wie konntest du es wagen, in einer fremden Armee zu dienen, sagten sie ihm.
Jahrzehntelang betrachtete Österreich diese Männer als Feiglinge und Verräter. Erst 2009 rehabilitierte das Parlament sie endlich. Fünf Jahre später wurde dieses Denkmal errichtet, direkt gegenüber der Bundeskanzlei und dem Bundespräsidialamt.
Die Inschrift auf der obersten Stufe lautet „all alone“. Man kann sie nur von oben lesen. Sie bezieht sich auf ein schottisches Gedicht über den individuellen Widerstand gegen die Masse. Wadani, der jahrelang für dieses Denkmal gekämpft hatte, hielt 2014 bei der Einweihung eine Rede. Er war 92 Jahre alt.
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