Route Image 1 - Description

Friedhof Hietzinger

Genau hier liegen die beiden künstlerischen Giganten begraben, die die moderne Kunst geprägt haben – auf diesem ruhigen Friedhof hinter dem Schloss Schönbrunn. Nicht auf dem riesigen Zentralfriedhof, wo die Reisebusse ankommen. Sondern hier.

 

Gehen Sie zu Gruppe 5. Gustav Klimt liegt unter einer schlichten quadratischen Platte. Der Mann, der „Der Kuss“ in Blattgold malte, dessen Leinwände vor Sinnlichkeit und Ornamentik nur so strotzten, wählte das einfachste Grab, das man sich vorstellen kann. Nur sein Name, eingraviert wie seine Signatur. Sonst nichts.

 

Gehen Sie nun 20 Schritte weiter zu Gruppe 13. Otto Wagner entwarf sich selbst ein Denkmal, bevor er starb. Sechs Säulen aus rotem Granit. Schmiedeeiserne Schnörkel darüber. Ein prächtiges Familiengrab mit der lateinischen Inschrift „Der Sohn für die beste Mutter“. Der Architekt, der das modernistische Wien schuf, sorgte dafür, dass jeder sein Grab sehen würde.

 

Beide Männer starben 1918, nur wenige Monate nacheinander. Beide revolutionierten ihre jeweiligen Bereiche. Klimt war Mitbegründer der Sezessionsbewegung, Wagner prägte eine ganze Stadt. Beide entschieden sich dafür, hier begraben zu werden, nur wenige Schritte voneinander entfernt.

 

Der Kontrast sagt alles. Klimt, dessen Kunst vor Dekoration nur so strotzte, wollte nichts. Wagner, der predigte, dass die Form der Funktion folgt, baute sich selbst einen Schrein. Zwei Genies. Zwei gegensätzliche Arten, in Erinnerung zu bleiben.

Hast du Feedback zu dieser Geschichte?