
Willkommen am Stephansplatz, direkt vor dem Stephansdom. Schauen Sie einmal zu dem Südturm hinauf. Im Inneren hängt die Pummerin, eine der größten Glocken Europas. Doch dies ist nicht irgendeine Glocke.
Sie wurde aus feindlichen Kanonen gegossen.
Nachdem die Osmanen 1683 die Stadt nicht einnehmen konnten, sammelten die Wiener 208 türkische Bronzekanonen ein, die bei der Belagerung zurückgelassen worden waren. Im Jahr 1711 schmolzen sie diese ein und gossen das Metall zu einer riesigen Glocke mit einem Gewicht von über 20 Tonnen. Waffen wurden zu Kultgegenständen.
Die ursprüngliche Pummerin läutete 234 Jahre lang, bis im April 1945, in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs, ein Feuer im Dom ausbrach. Die Glocke stürzte durch den brennenden Turm und zerschellte auf dem Steinboden.
Sechs Jahre später gossen die Österreicher sie neu. Sie verwendeten Fragmente der zerbrochenen Glocke, gemischt mit neuer Bronze. Dasselbe Metall, ein zweites Leben. Die neue Pummerin wiegt 21 Tonnen und läutet nur zu besonderen Anlässen: Silvester, Ostern, Weihnachten.
Wenn man sie hört, hört man osmanische Bronze, die Jahrhunderte überdauert hat. Zuerst als Artillerie, dann als Gebetsruf, dann als Trümmer, jetzt als Klang. Von der Eroberung zur Kathedrale.
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