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Holocaust-Gedenkstätte „Nameless Library“

Schau dir diesen Betonblock vor dir an. Das sind Bücher. Tausende davon. Aber die Buchrücken zeigen nach innen. Du kannst die Titel nicht lesen. Du kannst die Bücher nicht aufschlagen. Die Türen haben keine Griffe.

 

Dies ist die Nameless Library am Judenplatz, entworfen von der britischen Künstlerin Rachel Whiteread. Sie erinnert an 65.000 österreichische Juden, die zwischen 1938 und 1945 ermordet wurden. Jedes unlesbare Buch steht für ein ungelebtes Leben. Geschichten, die nie erzählt wurden. Wissen, das nie geteilt wurde.

 

Das Denkmal wurde im Oktober 2000 enthüllt. Der Holocaust-Überlebende Simon Wiesenthal kämpfte jahrelang dafür, dass es realisiert wurde. Bei der Enthüllung sagte er ganz direkt: Dieses Denkmal soll nicht schön sein. Es muss wehtun.

 

Whiteread meinte das ernst. Sie entwarf es so, dass es wie ein Militärbunker aussieht, in Anlehnung an die Befestigungsanlagen, die den Zweiten Weltkrieg prägten. Der Beton wirkt brutal. Die Proportionen sind beunruhigend. Rund um den Sockel finden sich die Namen der Konzentrationslager, in denen österreichische Juden starben.

 

Hier ist etwas, das die meisten Menschen nicht wissen: Whiteread lehnte eine Anti-Graffiti-Beschichtung ab. Sie erklärte, dass man ein Hakenkreuz, das jemand darauf sprüht, zwar abwischen könne, aber dass ein paar davon die Menschen dazu bringen würden, darüber nachzudenken, was in ihrer Gesellschaft geschieht.

 

Sie stehen auf dem Judenplatz über einer mittelalterlichen Synagoge, die 1420 zerstört wurde. Dieser Platz war über Jahrhunderte hinweg Zeuge der Judenverfolgung.

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