Route Image 1 - Description

Lainzer Tiergarten

250 Jahre lang betrat niemand diesen Ort. Sie stehen am Rande des Lainzer Tiergartens, eines riesigen Waldgebiets am westlichen Stadtrand von Wien. Im Jahr 1782 errichteten die Habsburger eine 24 Kilometer lange Mauer um das gesamte Waldgebiet und schotteten damit 2.450 Hektar als ihr privates Jagdrevier ab. Wildhüter patrouillierten dort. Eindringlingen drohte eine Gefängnisstrafe.

 

Die Jagd war industriell. Allein Kaiser Franz Joseph I. erlegte hier zwischen 1848 und 1916 2.052 Hirsche. Das entspricht etwa einem Hirsch alle 12 Tage über einen Zeitraum von 68 Jahren. Der Wald wurde wie ein Bauernhof bewirtschaftet, wobei die Tierbestände speziell für die Jagd gezüchtet wurden. Wildschweine, Rotwild, Rehwild. Alles wurde ausgesetzt und gezählt.

 

Während Bauern außerhalb der Mauer schon wegen des Wilddiebstahls eines einzigen Kaninchens mit Verhaftung rechnen mussten, befolgten die Kaiser innerhalb der Mauer ausgefeilte Vorschriften. Sie mussten von festgelegten Hochständen aus schießen. Sie durften verwundete Tiere nicht zu Fuß verfolgen. Jeder Abschuss wurde in offiziellen Verzeichnissen festgehalten, bis hin zum Datum und dem genauen Ort.

 

Die Mauer fiel 1919, als das Reich zusammenbrach. Wildschweine durchstreifen noch immer diese Wälder, Nachkommen desselben Bestands, der für den kaiserlichen Sport gezüchtet wurde.

Hast du Feedback zu dieser Geschichte?