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Lainzer Tor

Die Mauer, durch die Sie gleich gehen werden, hat einen kuriosen Anspruch auf Berühmtheit. Sie hat der deutschen Sprache ein neues Schimpfwort beschert.

 

Sie stehen am Lainzer Tor, dem Haupteingang zum Lainzer Tiergarten. Hinter diesem Tor erstreckt sich ein 6.000 Hektar großes Waldgebiet, das Kaiser Ferdinand I. im Jahr 1561 zu seinem privaten Jagdgebiet machte. Fast vier Jahrhunderte lang durften gewöhnliche Wiener keinen Fuß hineinsetzen.

 

Im Jahr 1782 entschied Kaiser Joseph II., dass der Holzzaun nicht ausreichte. Er beauftragte den Maurermeister Philipp Schlucker, eine ordentliche, 22 Kilometer lange Steinmauer um das gesamte Revier zu errichten. Schlucker gab ein so niedriges Angebot ab, dass jeder in Wien dachte, er würde bankrott gehen. Das tat er nicht. Aber sein Name blieb haften. „Armer Schlucker“ bedeutet im Deutschen noch immer „armer Schlucker“.

 

Die Mauer sollte keine Menschen fernhalten. Sie hielt Tiere drinnen. Wildschweine, Hirsche, Mufflons. Die Kaiser wollten ihr Wild konzentriert haben, um leichter jagen zu können.

 

Der Tiergarten blieb trotz Revolutionen, Kriegen und dem Zusammenbruch der Monarchie selbst kaiserlicher Besitz. Erst 1919 öffnete Wien diese Tore endlich für die Öffentlichkeit. Etwa 1.000 Wildschweine streifen noch immer darin umher. Die Mauer steht größtenteils noch. Und Schluckers Name lebt in jedem deutschen Gespräch weiter, wenn es darum geht, dass jemand schlecht behandelt wird.

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