
Genau hier stand einst ein Luxushotel mit korinthischen Säulen und einem verglasten Speisesaal. Es handelte sich um das Hotel Metropole, das 1873 für die Wiener Weltausstellung erbaut worden war. Nach dem Anschluss im März 1938 beschlagnahmte die Gestapo das Hotel von seinen jüdischen Eigentümern.
Am 1. April 1938 nahm der Betrieb am Morzinplatz 5 seinen Lauf. Noch am selben Tag brach der erste Transport mit österreichischen Häftlingen nach Dachau auf. Mit 900 Mitarbeitern wurde dies die größte Gestapo-Dienststelle außerhalb Berlins.
Die Gefangenen betraten das Gebäude durch den Hintereingang an der Salztorgasse und wurden in das Kerkergewölbe im Keller hinabgeführt. Bruno Kreisky, der spätere österreichische Bundeskanzler, erinnerte sich an sein Verhör: „Halb bewusstlos und blutüberströmt kam ich zurück in die Zelle.“ 50.000 Wiener landeten hier in den Akten der Gestapo.
Was die meisten Menschen nicht wissen: 80 Prozent der Gestapo-Agenten waren ehemalige österreichische Polizisten. Sie kannten die Stadt. Sie kannten die Menschen.
Alliierte Bomben zerstörten das Gebäude gegen Kriegsende. Die Ruinen wurden abgerissen. 1985 errichteten Überlebende das Denkmal, das Sie hier sehen, aus Granitblöcken aus dem Konzentrationslager Mauthausen. Die Inschrift lautet: „Hier stand das Haus der Gestapo. Es war die Hölle für jene, die an Österreich glaubten.“ Heute steht hier das Leopold-Figl-Hof-Gebäude, an der Ecke Morzinplatz und Salztorgasse.
Hast du Feedback zu dieser Geschichte?