
Schauen Sie rechts vom Haupteingang. Sehen Sie den geschwärzten Stein hinter der Glasscheibe? Die dort eingravierten Buchstaben O5 stehen für einen der raffiniertesten Akte des Widerstands im besetzten Österreich.
1938 annektierte Hitler Österreich. Das Land hörte auf zu existieren. Sein Name wurde verboten. Wer dabei erwischt wurde, „Österreich“ zu sagen, riskierte eine Verhaftung.
Doch 1944 entwickelte ein Medizinstudent namens Jörg Unterreiner einen Code. Das O stand für den ersten Buchstaben von „Österreich“. Die 5? Das war der fünfte Buchstabe des Alphabets: E. Zusammen ergab O5 das verbotene Wort, ohne es überhaupt zu buchstabieren.
Unterreiner und seine Widerstandsgruppe begannen, O5 an Wände in ganz Wien zu kritzeln. Hastig. Gefährlich. Jede Markierung ein stiller Schrei: Österreich existiert noch.
Diese hier entstand während der Schlacht um Wien im Jahr 1945. Im Jahr 1965 wurde sie offiziell in den Stein gemeißelt. Die Glasvitrine kam im Jahr 2000 hinzu, zusammen mit einer Gedenktafel im Boden darunter, die ermordeten Widerstandskämpfern gewidmet ist.
Was als Graffiti begann, wird heute als heilige Geschichte geschützt. Eine Erinnerung daran, dass zwei Buchstaben und eine Zahl eine ganze Nation tragen können.
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