
Hier steht das komplexeste Parlamentsgebäude des 19. Jahrhunderts in Europa. Dieser griechische Tempel an der Ringstraße mit seinen massiven Säulen und der Athene-Statue vor dem Eingang wurde im Dezember 1883 eröffnet, um Abgeordnete aus acht Nationen zu beherbergen, die elf verschiedene Sprachen sprachen. Tschechisch, Polnisch, Ukrainisch, Italienisch, Deutsch, Slowenisch, Kroatisch, Rumänisch und weitere Sprachen hallten durch diese Säle.
Der dänische Architekt Theophil Hansen verbrachte fast 10 Jahre damit, jedes Element zu entwerfen. Kaiser Franz Joseph bestand auf österreichischen Materialien, daher wählte Hansen weißen Marmor aus Laas, einem Dorf in Tirol. Der Stein erwies sich als widerstandsfähiger als der berühmte Carrara-Marmor. Er hat der Umweltverschmutzung seit über 140 Jahren besser standgehalten.
Wenn man hineingeht, gelangt man in die Säulenhalle, wo 24 Marmorsäulen die Decke stützen. Jede wiegt 16 Tonnen und wurde aus einem einzigen Marmorblock gehauen.
Die Sitzungen wurden immer hitziger. Mark Twain war in den 1890er Jahren Zeuge der Debatten und beschrieb die elektrisierende Atmosphäre: Alle schrien ihre Meinungen heraus, Sprachen flogen durch den Saal, Politiker benahmen sich wie Batterien, die Funken sprühten.
Nachdem der Erste Weltkrieg 1918 das Kaiserreich beendet hatte, versammelten sich die Abgeordneten an der Rampe, auf der Sie jetzt stehen, und riefen Österreich zur Republik aus.
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