Route Image 1 - Description

Pummerin-Glocke

Wenn man heute durch die Griechengasse schlendert, sieht man malerische Gebäude aus dem 17. Jahrhundert, eine byzantinisch-griechisch-orthodoxe Kirche und Touristen, die in Straßencafés ihren Kaffee genießen. Doch diese schmale mittelalterliche Gasse hat eine dunklere Vergangenheit.

 

Im 13. Jahrhundert war die Griechengasse direkt mit dem Fleischmarkt verbunden, Wiens wichtigstem Fleischmarkt, auf dem Metzger Tiere schlachteten und ihre Waren verkauften. Der Gestank war überwältigend. Ranziges Blut sammelte sich in den Rinnen zwischen den Pflastersteinen. Tierinnereien türmten sich in den Ecken. Im Sommer wurde der Geruch so unerträglich, dass die Anwohner trotz der Hitze ihre Fenster geschlossen hielten.

 

Die enge Passage hielt die Gerüche wie ein Trichter gefangen und schuf einen Korridor des Verfalls. Fliegen schwärmten in Wolken. Hunde stritten sich auf der Straße um Abfälle. Gegen Mittag hing der Gestank von verfaultem Fleisch so dick in der Luft, dass man ihn schmecken konnte.

 

Das Verrückte daran: Dies war eine erstklassige Lage. Nur wenige Schritte vom Fleischmarkt entfernt zu sein, bedeutete Zugang zu frischem Fleisch, bevor es verdarb – ein Luxus in einer Zeit ohne Kühlschränke. Wohlhabende Kaufleute und Wirtshausbesitzer wetteiferten um die Gebäude hier und hielten sich die Nase zu, während sie ihre Gewinne zählten.

 

Im 18. Jahrhundert verwandelten griechische Kaufleute das Viertel. Sie bauten ihre Kirche, eröffneten 1447 das berühmte Restaurant „Griechenbeisl“, und nach und nach zogen die Schlachthöfe an andere Orte. Die einzige Erinnerung an diese blutigen Jahrhunderte ist der Straßenname „Fleischmarkt“ selbst.

Hast du Feedback zu dieser Geschichte?