
Mehr als 64.000 in Stein gemeißelte Namen erzählen eine Geschichte, die den meisten unbekannt war. Jeder Name steht für ein österreichisch-jüdisches Kind, eine Frau oder einen Mann, denen während des Holocaust das Leben genommen wurde – eine Wahrheit, mit der sich Österreich jahrzehntelang nur schwer auseinandersetzen konnte.
Im Ostarrichi-Park, vor der Österreichischen Nationalbank, bilden 160 Granitwände ein 200 Meter langes Oval, durch das Besucher umgeben von Tausenden eingravierten Namen und Geburtsjahren schlendern.
Dies ist Österreichs erste Gedenkstätte, die jedes Opfer namentlich aufführt, anstatt es auf eine Statistik zu reduzieren. Die Idee stammt von Kurt Yakov Tutter, einem 1930 geborenen Holocaust-Überlebenden, der 1939 nach Belgien floh. Seine Eltern wurden nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Fast 20 Jahre lang kämpfte Tutter dafür, einen Ort zu schaffen, an dem jedes Opfer als Individuum mit eigener Identität in Erinnerung bleibt.
Jahrzehntelang stellte sich Österreich als Opfer von Nazideutschland dar, anstatt die aktive Rolle anzuerkennen, die viele Österreicher bei der Verfolgung spielten. Das Denkmal, das am 9. November 2021, dem 83. Jahrestag der Reichspogromnacht, eingeweiht wurde, änderte diese Darstellung. Die Inschrift ist eindeutig: Die Opfer wurden von Nationalsozialisten und ihren Unterstützern verfolgt, verspottet, ausgeraubt und gefoltert, und unzählige Österreicher beteiligten sich an ihrer Ermordung.
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