
Ein 900-seitiger Roman machte diese Jugendstiltreppe zu einem der berühmtesten literarischen Wahrzeichen Österreichs und verewigte damit sowohl einen Ort als auch eine ganze verschwundene Welt.
Im Bezirk Alsergrund, zwischen der Liechtensteinstraße und der Währinger Straße, verbinden diese eleganten Kalksteinstufen zwei Straßenebenen durch geschwungene Wege, grüne Eisengeländer und zwei markante Brunnen. Ein Wasserstrahl entspringt einem Fischkopf, der andere einer Steinmaske.
Der Architekt Theodor Jaeger entwarf dieses Jugendstil-Meisterwerk, das am 29. November 1910 feierlich eröffnet wurde. Die Treppe ehrt den Maler Peter Strudel, der hier 1688 eine der ersten Kunstakademien Mitteleuropas gründete, den Vorläufer der Akademie der bildenden Künste.
Der Schriftsteller Heimito von Doderer veröffentlichte 1951 „Die Strudlhofstiege“, einen umfangreichen Roman, der Leutnant Melzer und Dutzende von Figuren durch die Gesellschaft der 1920er Jahre begleitet. Die Treppe dient ihnen als wiederkehrender Treffpunkt, ein Symbol, das Leben über die Zeit hinweg verbindet. Doderer schrieb das 908 Seiten umfassende Werk Ende der 1940er Jahre, während er während seiner Entnazifizierung von wenig Nahrung lebte, nachdem er 1938 seine früheren Nazi-Sympathien aufgegeben hatte.
Der Roman wurde zu einem Meilenstein der österreichischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Eine Gedenktafel mit Doderers Eröffnungsgedicht markiert heute die Stufen, an denen Fiktion und Realität verschmolzen.
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