
Sie stehen vor einem der berühmtesten Opernhäuser der Welt, einem imposanten Neorenaissance-Gebäude, das diesen Abschnitt der Ringstraße prägt.
Es wurde am 25. Mai 1869 mit Mozarts „Don Giovanni“ eröffnet. Der Kaiser und die Kaiserin waren anwesend. Doch die beiden Männer, die es erbaut hatten, erlebten die Premiere nicht mehr.
August Sicard von Sicardsburg und Eduard van der Nüll gewannen 1858 den Wettbewerb für den Entwurf des Opernhauses. Der Bau begann 1861. Dann unterlief der Stadt ein Fehler. Nachdem die Bauarbeiten bereits begonnen hatten, hob Wien das Straßenniveau der Ringstraße um einen Meter an. Das Gebäude wirkte plötzlich zu niedrig. Kritiker gingen hart mit ihm ins Gericht. Sie nannten es eine „versunkene Kiste“. Ein Kolumnist schrieb, dass es trotz charmanter Details schwer auf seinem Standort lastete und in den Boden versank.
Van der Nüll nahm sich im April 1868 das Leben. Sein Partner Sicardsburg starb nur zehn Wochen später, wahrscheinlich an den Folgen des Schocks. Keiner der beiden Architekten erlebte die Fertigstellung seines Meisterwerks.
Am 12. März 1945 setzten amerikanische Bomben das Opernhaus in Brand. Der Zuschauerraum und die Bühne brannten zwei Tage lang. Rund 150.000 Kostüme wurden zerstört. Doch die prunkvolle Eingangshalle und die große Treppe blieben erhalten. Die Oper wurde zehn Jahre später, am 5. November 1955, wiedereröffnet.
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