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Wüstenhaus

Das grüne Gebäude aus Eisen und Glas vor Ihnen wurde 1904 errichtet, um der Pflanzenleidenschaft eines Kaisers gerecht zu werden. Franz Joseph benötigte einen geeigneten Winterstandort für seine australischen Exemplare, exotische Pflanzen aus dem, was die Europäer „New Holland“ nannten. Der kaiserliche Hof hatte die gesamte Sammlung 1848 vom Diplomaten Charles von Hügel erworben, der von 1833 bis 1834 in Australien Samen gesammelt hatte, nachdem ihn eine aufgelöste Verlobung auf eine sechsjährige Reise um die Welt geschickt hatte.

 

Der Architekt Alfons Custodis entwarf dieses Jugendstil-Gewächshaus mit einer nach Norden gerichteten Backsteinwand und nach Süden gerichteten Glasflächen, ideal für die empfindlichen australischen Pflanzen. Das Gebäude hat seinen Namen von einer Sonnenuhr, die im südlichen Garten steht.

 

Dann kam der Februar 1945. Bomben trafen das Schloss Schönbrunn. Das riesige Palmenhaus neben diesem Gebäude verlor fast sein gesamtes Glas. Hier jedoch blieben die meisten Fenster unversehrt. Die Glasflächen standen fast parallel zur Schockwelle. Arbeiter brachten die Pflanzen schnell aus dem zerstörten Palmenhaus hierher in Sicherheit.

 

Das Gebäude wurde 1990 zu Österreichs erstem Schmetterlingshaus. Rostschäden zwangen 1998 zur Schließung. Nach einer Renovierung von 2000 bis 2003 wurde es als Wüstenhaus wiedereröffnet. Dort, wo einst Eukalyptusbäume überwinterten, leben nun Kakteen und Schwarzschwanz-Klapperschlangen. Ein kaiserliches Gewächshaus, das für die australische Flora erbaut wurde, beherbergt nun die amerikanische Wüstenfauna.

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